Anpassung der Therapie basierend auf Ergebnissen der Bildgebung bei Menschen mit Hodgkin-Lymphom

Hauptergebnisse

- Die Wirkungen der Therapieanpassung hängen vom Ergebnis der während der Behandlung durchgeführten Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und dem Krebsstadium des Hodgkin-Lymphoms (HL) des Betroffenen ab.

- Während die Wirkung einer Reduzierung der Therapie auf der Grundlage eines negativen PET-zwischen-Scans bei HL im Frühstadium ungewiss ist, hat sie bei HL im mittleren Stadium möglicherweise nur geringe bis gar keine Auswirkungen auf das Gesamtüberleben und das progressionsfreie Überleben.

- Bei HL im fortgeschrittenen Stadium ist eine Reduzierung der Chemo- oder Strahlentherapie nach einem negativen PET-zwischen-Scan wahrscheinlich von Vorteil für das Gesamtüberleben.

- Die Intensivierung der Behandlung mit Rituximab nach einem positiven PET-zwischen-Scan erhöht wahrscheinlich die Zahl der unerwünschten Ereignisse, ohne das Überleben zu verbessern.

Was ist ein Hodgkin-Lymphom?

Das Hodgkin-Lymphom ist eine seltene Krebserkrankung des Lymphsystems – einem Teil des Immunsystems, das den Flüssigkeitshaushalt reguliert und den Körper vor Infektionen schützt. Die Symptome eines Hodgkin-Lymphoms sind das schmerzlose Anschwellen von Lymphgewebe, sowie manchmal auch Fieber, Nachtschweiß und ungewollter Gewichtsverlust. HL ist weltweit eine der am besten heilbaren Krebsarten und wird in der Regel mit Chemotherapie behandelt, manchmal in Kombination mit Strahlentherapie, abhängig vom Stadium.

Was ist die Positronen-Emissions-Tomographie?

Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) ist ein bildgebendes Verfahren, das die Zellaktivität im Körpergewebe sichtbar macht, indem eine radioaktiv markierte Substanz, beispielsweise auf Zuckerbasis, injiziert wird. Da Krebszellen in der Regel schnell wachsen, benötigen sie viel Energie. Sie nehmen daher mehr von der radioaktiv-markierten Zuckerinjektion auf und erscheinen auf dem Scan heller. PET wird üblicherweise zur Bestimmung des Ausmaßes (Stadiums) von Krebserkrankungen oder zur Beurteilung des Ansprechens auf eine Therapie eingesetzt. Aktuell wird untersucht, ob die PET auch während der Behandlung genutzt werden kann, um die Behandlung gezielt an das Aktivitätsniveau der Zellen anzupassen. Personen, die gut auf die Chemotherapie ansprechen – erkennbar an einer geringen Zellaktivität – gelten als PET-negativ. Bei ihnen besteht die Möglichkeit, die Behandlung zu reduzieren, um das Risiko langfristiger Nebenwirkungen zu minimieren. Bei Personen mit unzureichendem Ansprechen, erkennbar an einer erhöhten Aktivität im PET und damit als PET-positiv eingestuft, könnte die Behandlung intensiviert werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob eine Therapieanpassung nach einem PET-Scan während der Behandlung zu einer Verbesserung des Gesamtüberlebens, der Zeit ohne Fortschreiten der Krankheit (progressionsfreies Überleben), der behandlungsbedingten Sterblichkeit, unerwünschter Wirkungen und der Lebensqualität führt. Zu den Anpassungen gehörten sowohl eine Intensivierung nach positivem PET-Scan als auch eine Reduzierung nach einem negativen Scan.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten systematisch in den relevanten medizinischen Datenbanken nach Studien und fanden 10 randomisierte kontrollierte Studien, die vor dem 17. November 2023 veröffentlicht wurden. Wir führten Auswertungen und Meta-Analysen nach dem PET-Status (negativ oder positiv) und dem Krebsstadium (früh-, mittel- oder fortgeschritten) durch.

Was fanden wir?

Von den 10 Studien, die wir gefunden haben, umfasste eine 667 Personen mit HL im Frühstadium, eine 651 Personen mit HL im mittleren Stadium und drei Studien umfassten 1639 Personen mit HL im frühen bis mittleren Stadium (wobei in einer dieser Studien die beiden Stadien getrennt analysiert wurden). Fünf Studien umfassten 3629 Personen mit HL im fortgeschrittenen Stadium. Alle Studien untersuchten, ob das Aussetzen der Strahlentherapie nach einem negativen PET-Scan zu positiven Endpunkten führt, aber nur drei Studien untersuchten Endpunkte nach einer intensiveren Behandlung bei Patient*innen mit einem positiven PET-Scan.

Die Standardtherapie bei HL im frühen und mittleren Stadium umfasst in der Regel Chemo- und Strahlentherapie. Bei HL im Frühstadium ist es ungewiss, ob das Aussetzen der Strahlentherapie nach einem negativen PET-Scan für das Überleben und das progressionsfreie Überleben von Vorteil ist oder nicht. Es hat möglicherweise wenig bis keine Auswirkungen auf das Risiko, eine weitere Krebsart zu entwickeln.

Bei HL im mittleren Stadium wirkt sich das Aussetzen einer Strahlentherapie nach einem negativen PET-Zwischenergebnis möglicherweise gering bis gar nicht auf das Gesamtüberleben und das progressionsfreie Überleben aus.

Die Standardtherapie für HL im fortgeschrittenen Stadium ist heutzutage eine intensivere Chemotherapie. Eine Verringerung der Intensität der Chemotherapie aufgrund eines negativen PET-Scans verlängert wahrscheinlich die Gesamtüberlebenszeit und hat nur minimale bis keine Wirkungen auf das progressionsfreie Überleben. Sie kann möglicherweise auch das Risiko der Entwicklung einer weiteren Krebsart verringern. Die statistische Auswertung zu diesem Endpunkt lässt jedoch auch die Möglichkeit zu, dass dies nicht der Fall ist. In einigen Ländern werden, ähnlich wie in den frühen Krebsstadien, Chemo- und Strahlentherapie eingesetzt. Der Verzicht auf eine Strahlentherapie aufgrund eines negativen PET-Scans sowohl während als auch nach der Chemotherapie führt möglicherweise zu einer Verlängerung des Gesamtüberlebens und des progressionsfreie Überlebens und zu einer Verringerung des Risikos, eine weitere Krebserkrankung zu entwickeln. Wieder lässt jedoch die statistische Auswertung zu diesem Endpunkt auch die Möglichkeit zu, dass dies nicht der Fall ist.

Die Evidenz aus einer Studie deutet darauf hin, dass eine intensivere Chemotherapie nach einem positiven PET-Scan bei HL im frühen bis mittleren Stadium möglicherweise die Gesamtüberlebenszeit und das progressionsfreie Überleben verlängert, auch hier unter dem Vorbehalt, dass die statistische Auswertung auch zulässt, dass dies nicht der Fall ist. Es konnte nicht festgestellt werden, ob die Betroffenen mehr oder weniger andere Krebsarten entwickeln.

In zwei Studien wurde untersucht, ob die Gabe von Rituximab, ein monoklonaler Antikörper, zusätzlich zur Standardchemotherapie eine positive Wirkung auf Betroffene mit fortgeschrittenem HL und einem positive PET-Scan hat. Sie erhöht wahrscheinlich nicht die Gesamtüberlebenszeit oder die progressionsfreie Überlebenszeit, aber wahrscheinlich die Zahl schwerwiegender unerwünschter Wirkungen. Möglicherweise erhöht sie auch die behandlungsbedingte Sterblichkeit, wobei die Vertrauenswürdigkeit dieses Ergebnisses sehr gering ist und die statistische Auswertung auch die Möglichkeit mit einschließt, dass dies nicht der Fall ist.

Was schränkt die Evidenz ein?

In vielen Studien wurden unerwünschte Wirkungen zwar angegeben, aber nicht in der Form, die wir für die Verwendung der Daten benötigen. Keine der Studien hat ihre Daten zur Lebensqualität veröffentlicht.

Unser Vertrauen in die Evidenz ist uneinheitlich. Sie ist größtenteils moderat für den Verzicht auf eine Strahlentherapie bei PET-negativen Personen im frühen bis mittleren Stadium, für eine weniger intensive Chemotherapie bei PET-negativem HL im fortgeschrittenen Stadium und für Rituximab bei PET-positiven Teilnehmenden im fortgeschrittenen Stadium, aber gering bis sehr gering für den Verzicht auf eine Strahlentherapie nach negativer PET im fortgeschrittenen Stadium und für eine intensivere Chemotherapie nach positiver PET im frühen bis mittleren Stadium des HL.

Anmerkungen zur Übersetzung: 

M. Zeitler, B. Schindler, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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