Maschinen zur Konservierung von Nieren verstorbener Spender*innen vor der Transplantation

Kernaussagen

Im Vergleich zur standardmäßigen „statischen Kaltlagerung“ auf Eis verringert die hypothermische Maschinenperfusion die verzögerte Funktionsaufnahme der transplantierten Niere. Auch verbessert sie das Überleben der transplantierten Niere und ist in den USA und Europa bei Nieren verstorbener Spender*innen kostensparend.

- Die kontinuierliche Durchführung dieses Prozesses vom Spender- zum Empfängerzentrum, sowie die Zufuhr von Sauerstoff während des Prozesses, sind mit den besten Ergebnissen nach der Transplantation verbunden.

- Eine einstündige normotherme Maschinenperfusion nach dem Transport des Organs auf Eis verbessert die Ergebnisse nicht. Sie ist jedoch sicher und kann für die Beurteilung der Organqualität oder für neue Therapien nützlich sein.

Was ist Nierenversagen und wie sollte es behandelt werden?

Nierenversagen bedeutet, dass die Nieren eines Menschen nicht mehr gut genug arbeiten um ihn am Leben zu erhalten. Um das Leben der/des Betroffenen zu erhalten, ist eine Nierenersatztherapie in Form von Dialyse oder Transplantation notwendig. Eine Nierentransplantation ist die beste Behandlung für Personen mit Nierenversagen. Potenziellen Empfänger*innen kann eine gespendete Niere von einem/einer lebenden oder verstorbenen Spender*in transplantiert werden. Aufgrund der Schäden, die durch einen Hirntod oder Kreislaufstillstand entstehen können, kommt es bei Nieren von verstorbenen Spender*innen jedoch im Vergleich zu Nieren von Lebendspender*innen häufiger zu einer verzögerten Funktionsaufnahme oder zu einer primären Nichtfunktion der transplantierten Niere. Auch die Entnahme und der Transport einer Spenderniere führen zu Schäden, da die Niere nicht wie gewohnt mit Blut versorgt wird. Diese Schäden stellen nach wie vor ein großes Hindernis für die Transplantation dar, da sie viele Organe unbrauchbar machen und mit einer geringeren Überlebensrate der transplantierten Nieren verbunden sind.

Was wollten wir herausfinden?

Traditionell werden Nieren, die transportiert werden müssen, auf Eis gelagert (sogenannte statische Kaltlagerung). Eine neue Technologie, bei der Maschinen eingesetzt werden, die kalte (hypothermische Maschinenperfusion) oder warme (normothermische Maschinenperfusion) Flüssigkeit durch Spendernieren leiten, zielt darauf ab, die Schäden während des Transports zu verringern und so die Funktion der transplantierten Nieren zu verbessern.

Unser primärer Endpunkt war die Rate der verzögerten Funktionsaufnahme der Niere (die Anzahl an Personen, die in der Woche nach der Transplantation zusätzliche Dialyseunterstützung benötigten). Unser wichtigster sekundärer Endpunkt war die Ein-Jahres-Überlebensrate der Nieren (die Anzahl der transplantierten Nieren, die nach einem Jahr noch funktionieren).

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach allen Studien, die Nutzen und Schaden der Maschinenperfusion im Vergleich zur statischen Kaltlagerung für den Transport von Spendernieren zur Transplantation untersucht haben. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Informationen anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Studiengröße.

Was fanden wir?

Zweiundzwanzig Studien mit insgesamt 4007 Teilnehmenden wurden einbezogen. Die meisten dieser Studien untersuchten die hypothermische Maschinenperfusion (21), eine Studie untersuchte die normothermische Maschinenperfusion. Im Vergleich zur standardmäßigen statischen Kaltlagerung verringert der Einsatz einer hypothermischen Maschinenperfusion die Rate der verzögerten Funktionsaufnahme der transplantierten Niere und verbessert ihre Überlebensrate. Wirtschaftliche Analysen in den USA und in Europa ergaben Kosteneinsparungen durch den Einsatz einer hypothermischen Maschinenperfusion. Die Versorgung der Niere mit zusätzlichem Sauerstoff während der hypothermischen Maschinenperfusion führt zu einer weiteren Verbesserung der Nierenüberlebensrate, der Nierenfunktion und der Rate der Nierenabstoßung. Dies wurde jedoch nur an einer bestimmten Gruppe von Spender*innen getestet (verstorbene Spender*innen im Alter über 50 Jahren, die nicht hirntot waren). Die Ergebnisse zeigen, dass der Zeitpunkt der hypothermischen Maschinenperfusion wichtig ist - Vorteile dieser Transportmethode ergeben sich nur, wenn die Maschinenperfusion im Spenderkrankenhaus begonnen, und während des gesamten Transports fortgesetzt wird.

Die Studie zur normothermen Maschinenperfusion (für eine Stunde, nach dem Transport der Niere durch statischer Kaltlagerung) ergab keine wesentlichen Vorteile gegenüber der statischen Kaltlagerung allein.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir sind zuversichtlich, dass die hypothermische Maschinenperfusion im Vergleich zur statischen Kaltlagerung die Rate der verminderten Nierenfunktion verringert, und das Überleben der transplantierten Niere verbessert. Weniger sicher sind jedoch die Ergebnisse in Bezug auf die primäre Nichtfunktion der Niere, die Häufigkeit akuter Abstoßungsreaktionen, das Überleben der Patient*innen, den Krankenhausaufenthalt, die langfristige Nierenfunktion und die Dauer der verzögerten Funktionsaufnahme der Niere.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz auf dem Stand von Juni 2024.

Anmerkungen zur Übersetzung: 

M. Zeitler, L. Gorenflo, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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